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Inspirationen und Impulse zur Fotografie

Wie beurteilst Du Bilder?

Text Claudia Brose | Photo © Heike Rost

 

Wo schauen deine Augen hin? Was nimmst du wahr, was nimmst du auf, was siehst du eigentlich?

Wie viel nehmen wir noch wahr, wenn unser Blick nach jedem Auslöser direkt zum Screen geht? Mit der digitalen Kamera (R)Evolution kam auch die Unterbrechung des „Flows“, dem verloren-sein im Bild oder in der Szene, bei der der Fotograf auf seinen Moment wartet, den er festhalten möchte. Denn mit dem Blick auf den Screen unterbricht der Fotograf ständig sein präsent sein im Geschehen, weiter zu beobachten, den nächsten Augenblick tatsächlich wahrzunehmen.

Ja, es ist klasse, dass Auge und Verstand sofort nachprüfen können, ob die Idee und die Technik korrekt sind im festgehaltenen Bild. Und entsprechend der Beurteilung ist es dann möglich, das schauen-wir-erst-mal Ergebnis mit dem nächsten Schuss zu korrigieren. Falls die Zeit angehalten und das Motiv sich nicht bewegt hat in dem Zeitraum, in dem der Fotograf seinen Blick von der Szene gelöst und das digitale Bild begutachtet hat……könnte die gleiche Szene, Mimik oder Augenblick nochmal besser aufgenommen werden, oder?

Siehst du schon oder schaust du noch?

„Wenn ich schätzen sollte, würde ich auf über 90% aller Fotografien tippen, bei denen man nur schaut, aber nichts sieht. Es ist entscheidend wie intensiv ein Blick zu einem Bild geht und welche Resonanz vom Bild zu zurückkommt. Wenn das passiert, dann sehen wir etwas und schauen nicht nur“, so sieht es Eberhard Schuy, Fotograf, Speaker zu Kreativität und Referent der IF/SommerAkademie. Wie können wir besser sehen? Eberhard lässt seine Fotoworkshop Teilnehmer oft erst einmal ohne Kamera das Umfeld er“sehen“, ob es draußen in der Natur oder Umfeld einer Location ist oder, wie zum Beispiel bei der SommerAkademie, in den vielen unterschiedlichen und faszinierenden Räumen des 13. Jahrhundert Palazzos Casòn Hirschprunn.

Eine Meinung zu Bildern haben

Bilder beurteilen, eine Meinung zu seinen oder anderen Bildern zu haben ist gar nicht so einfach. Gerne lassen wir uns auch von anderen, ob Profifotografen oder Meinungsmachern verwirren und uns von unserer eigenen Urteilskraft ablenken. Dennoch bedarf es Übung und Austausch mit anderen, um seine Meinung zu formen.

Wer unlängst die Diskussionen um die Bildergebnisse der berühmten Fotografin Annie Leibovits zur weltbesten Turnerin Simone Biles mitbekommen hat, kann sehen, wie heftig und kontrovers Bildbeurteilungen vonstatten gehen können. Falsche Fotografin, falsche Beleuchtung, wie wird schwarze Haut „richtig“ beleuchtet und fotografiert sind einige der umstrittenen Diskussionspunkte. Das Fotoshooting wurde von Vogue beauftragt.

Hier sind die Bilder in der Vogue https://www.vogue.com/article/simone-biles-cover-august-2020. Bildbeurteilungen sind nicht einfach.

Unsicherheit bei der Auswahl von Bildern

Hermann Will von Fine Arte Printer, leidenschaftlicher Druck Profi, auch bei der SommerAkademie in Margreid, stellt oft fest, „dass ein Großteil der Teilnehmer Schwierigkeiten hat, unter Zeitdruck die besten Bilder aus ihren taufrisch gespeicherten Daten auszuwählen. Sicherlich, vor Ort ist die Zeit knapp und der Einzelne ist emotional noch vollkommen im Thema. Blockieren uns die Emotionen, die vom Shooting noch lodern, dabei, die besten Bilder auszuwählen? Bei manchem Teilnehmer kann man Unsicherheit und Zerrissenheit bei der Beurteilung der eigenen Bilddaten geradezu spüren.“

Sich Fotobücher großer Fotografen anzuschauen ist eine gute Methode, sein Auge zu schulen. Diskussionen und Gespräche über Fotos helfen, mehr Orientierung und Sicherheit bei der Bildbeurteilung von Bildern zu finden. „Hinterfrage, warum dieses oder jenes Bild ausgewählt wurde und trainiere deine Fähigkeit, Bilder zu analysieren“, so Hermann Will. Bei der SommerAkademie für Fotografie drucken und hängen wir Bildergebnisse zur Betrachtung und Beurteilung und Diskussion. Dabei profitieren alle von anderen Perspektiven, ungewohnten Ansichten und Zuhören.

Fotografen sollten mehr miteinander reden

Die eigene Meinung bilden aus seinen Gefühlen und Gedanken, die bei der Betrachtung von Bildern entstehen, gepaart mit den vielen Bildern im Kopf, die sich durch die unterschiedlichsten Medien angehäuft haben und als Orientierung dienen sind Möglichkeiten, Bildbeurteilungen zu trainieren. Und, ganz wichtig, „Fotografen sollten mehr miteinander reden“, erklärt Rüdiger Schrader, Fotograf, Coach und Referent bei der SommerAkademie. Der Austausch mit anderen Fotografie-Enthusiasten und -Erfahrenen trainiert die Fähigkeit, Bilder zu beurteilen.

Claudia BroseWie beurteilst Du Bilder?

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