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Inspirationen und Impulse zur Fotografie

Gastbeitrag RÜDIGER SCHRADER: Schwarz-Weiss – und die Phantasie erwacht

Text Rüdiger Schrader

photo © Angela Witt-Bartsch | Rüdiger Schrader während seines SW-Foto Workshops bei SommerAkademie 2019

Schwarz-Weiss – und die Phantasie erwacht

Kontrastierend Denken ist unser Alltag in bewussten oder unbewussten Prozessen: Links oder Rechts? Vorwärts oder Rückwärts? Meer oder Berge? Hund oder Katze? Köln oder Düsseldorf? Dafür oder dagegen? Leben oder Tod? Wort oder Bild? Schwarz oder Weiss? Entscheidungsparameter, gesetzt durch das Ausschließlichkeit gebietende Wort „oder“. Wer analog fotografiert(e), hat(te) ein ähnliches Dilemma zu bewältigen: Farb- oder Schwarzweiss(=SW)-Film? Die digitale Progression hat diese Entscheidung vermeintlich „nach hinten“ verlagert auf den Zeitpunkt der Inanspruchnahme vom blechtrotteligen Kollegen Computer mit seinem all-inclusive Werkzeugkasten. Der macht schließlich, was man ihm sagt. Genau hier sind wir unserem dritten Irrtum unterlegen.

Im zweiten Irrtum befindet sich der digitale Fotograf, wenn er so fotografiert wie er immer fotografiert, um das Bildergebnis am Computer zu finalisieren. Dieser zweite Irrtum offenbart sich, wenn der PC die Waffen streckt bei der Umwandlung eines Bildes zum SW-Foto, weil die Expression eines SW-Fotos schlichtweg dürftig ausfällt. Dieser Fall tritt immer dann ein, wenn wir uns mit dem allen Prozessen vorausgehenden Irrtum bei der SW-Fotografie nicht bewusst auseinandergesetzt haben. Weil wir unserer Alltagsgewohnheit folgen und kontrastierend gedacht haben.

SW-Fotografie bedeutet, wir müssen zwei Gegensätze zusammenführen, mit ihnen spielen, aus ihnen Dynamik gewinnen – eben Schwarz UND Weiss denken! Das gilt auch für das Denken im Alltag: Leben UND Tod, Meer UND Berge, Wort UND Bild, Köln UND… NEIN, das Letztere geht nun nicht. Aber alle anderen vermeintlichen Kontradiktionen energetisieren oder produzieren durch Synthese oder Fusion, eben durch einen hybriden Prozess eine völlig neue Kreativität. Paradoxon dabei: wer SW fotografiert, muss in Kontrasten denken, also das Sehen verändern, das Beiläufige aus dem Blick nehmen, die Konzentration fokussieren, also hybrid Denken und kontrastierend Sehen. Er wird so seiner Phantasie beim Erwachen zusehen…

Er trainiert so seine „neue“ Wahrnehmung und forciert seine fotografische Qualifikation. Die IF/SommerAkademie feiert die Fotografie, exerziert professionelles Sehen, trainiert diese Wahrnehmung und offeriert in einer einzigartigen Location exklusives Learning und – last but not least – qualifizierte Referenten.

Claudia BroseGastbeitrag RÜDIGER SCHRADER: Schwarz-Weiss – und die Phantasie erwacht

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