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Was ist ein „gutes“ Bild? Gibt es das überhaupt?

Photo © Karin Pizzinini | SommerAkademie 2020

 

Die große Frage – „Was ist ein gutes Bild?“ – lässt sich nicht eindeutig beantworten.

 

“Du füllst den Bildausschnitt mit Gefühlen, Energie, Entdeckung und Risiko und lässt genügend Raum, damit jemand anderes dort hineinsteigen kann.”

So beschreibt der bekannte Fotograf Joel Meyerowitz ein Foto.

Wer bestimmt denn eigentlich, was ein gutes Bild ist? Und was heißt überhaupt „gut“?!

 

Perfekt, unvollkommen, gut, schlecht….?

 

„Teil eines perfekten Bildes ist, dass es unvollkommen ist. Mit der digitalen Fotografie ist es sehr einfach, das Bild zu perfektionieren. Du killst das Bild, wenn du es perfektionierst. Im Grunde saugst du dann das Leben aus. Ein Bild lebt, wenn man es betrachten kann und es irgendwie nicht ganz rund ist. Wenn du beispielsweise ein primäres Rot und ein primäres Grün zusammenfügst, habst du diese Lebendigkeit zwischen den beiden. Ein großartiges FOTO, nicht ein großartiges Bild, muss diese Schwingung haben.“

– Norman Jean Roy

Wer erlässt die Regeln zur Definition, was ein „gutes“ Bild ist oder kann man das überhaupt definieren? Ist es objektiv, subjektiv, Geschmacksache oder doch Psychologie dahinter wie wer auf was für ein Bild reagiert? Machen erst positive Reaktionen der Betrachter ein Foto zu einem guten Foto? Gibt es überhaupt „schlechte“ Fotos?

 

Was ich sehe, was ich zeige, was ich fühle

 

Beim letzten GetTogether Zoom Call haben wir Rüdiger Schrader zum Thema „Was ist ein Gutes Bild“ diskutiert. Rüdiger hat Millionen von Fotos gesichtet (als geschäftsführender Fotochef beim „stern“ sowie beim FOCUS-Magazin) und ein Leben lang fotografiert.

Wir fotografieren auf 3 Arten, so Rüdiger Schrader.  Zum einen, was ich sehe, dann was ich zeigen möchte und drittens, was ich fühle.

Vielleicht ist ein gutes Foto, wenn alle 3 Ebenen vereint sind? Und wenn es dann auch noch den Betrachter emotional trifft….dann kommen wir der Sache vielleicht schon näher.

Ein Bild ist „gut“, wenn es überrascht. Wenn es ein Gefühl transportiert oder auslöst. Oder wenn man sagen kann, dass ein Bild „etwas“ auslöst. Wenn du ein Foto in einem halben Satz zusammenfassen kannst und es bei jedem etwas im Kopf auslöst. Bilder, die in 20, 30 Jahren noch angeschaut werden und nach Dekaden der Beurteilung und Debatten immer noch betrachtet und „gesehen“ werden.

 

Alte Meister

 

Am Beispiel der Malerei und alter Meister Kunstwerke, die wir z.B. im Museum betrachten stellen wir fest, dass es einige Bilder gibt, die uns aus den Schuhen hauen und andere nicht. Was ist das? Einfach ein Gefühl? Oder eine gibt es eine unterschwellige Dimension, die wir nur unbewusst wahrnehmen und die uns leitet? Warum empfinden wir zum Beispiel Mona Lisa oder das Abendmahl als umwerfende Bilder? Oder ist das nur ein „gelerntes Konzept“, weil uns immer wieder gesagt wird, dass dies herausragende Meisterwerke sind?

„Ein gutes Bild ist eins, das Du mehr als 30 Sekunden anschaust“,

sagte mal Henri Cartier Bresson.

Welche Rolle spielen unsere eigenen Emotionen, Gefühle und Stimmungen in dem Moment, wo wir das Foto machen? Dazu Rüdiger: „Aus dem Gefühl heraus sehe ich!“ „Durch die Arbeit am Foto entsteht das Sehen. Umso mehr wir an unserer Fotografie arbeiten, umso besser lernen wir zu sehen“, führ er weiter aus.

 

Die Emotionen spielen eine Rolle

 

Bist Du ergriffen von Deinem/einem Bild? Was empfindest Du, bevor Du auf den Auslöser drückst?

Lerne zu begreifen, wie Menschen auf Deine Bilder reagieren. Zeigt eure Bilder so oft wie möglich anderen Leuten, um zu lernen, wer auf welches Bild wann und wie reagiert.

„Ein gutes Foto sollte herausgelöst aus dem Kontext seiner Entstehung eine Emotion auslösen“, Thomas Gerwers, ProfiFoto Magazin.

 

Dein Titel Foto auf dem Buch „Mein Leben“

 

Abschließend eine Frage an dich: Wenn du ein Titel-Foto für Dein Buch „Mein Leben“ auswählen solltest – welches Bild nimmst Du? Was muss dieses Foto alles zeigen und ausdrücken von Dir? Die Auswahl dieses Bildes sagt viel darüber aus, was DU als ein gutes Bild empfindest.

„Ein gutes Bild ist ein Bild, von dem Du sagst: DAS hätte ich gerne gemacht!“, fasst Rüdiger Schrader zusammen.

 

Claudia BroseWas ist ein „gutes“ Bild? Gibt es das überhaupt?

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