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Inspirationen und Impulse zur Fotografie

photo Ralf Meichsner IF/Academy Fotoworkshop

Visuelles Denkvermögen verbessert das Fotografieren. Und umgekehrt.

by Claudia Brose

Der Sieger des diesjährigen Wimbledons, Novak Djokovic, sagte gestern bei der Siegerehrung, dass er als Kind seine Leidenschaft für Tennis entdeckt und die Bilder im Kopf entwickelte, dass er eines Tages in Wimbledon spielt und gewinnt. Er hatte die Vision vor Augen, wie er als Sieger in Wimbledon steht. Er hat sich als Kind sogar die Trophäen aus verschiedenen Materialien gebastelt. DAS ist visualisieren von Zielen. Diese Visualisierung finden wir bei vielen Spitzensportlern und das visuelle Denkvermögen, wird in vielen anderen Bereichen genutzt, wo es darum geht, Ziele zu formulieren.

Visuelles Denken

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte ist ein abgegriffener Spruch, drückt aber sehr gut aus, dass komplizierte Sachverhalte und Ideen oft mit einem Bild einfacher erklärt, transportiert und besser zu merken sind als durch reinen Text. Visuelles Denken ermöglicht unserem Verstand, verschiedene Informationen nichtlinear zu verarbeiten. Das heißt nicht, dass visuelles Denken keine Ordnung hat. Die muss es sogar geben.

Visuell Denken ist eine wichtige Fähigkeit, um neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und diese effektiv zu kommunizieren.

Ein Bild übt meistens einen stärkeren Eindruck auf den Betrachter aus als ein umfangreicher Text. Wer in Bildern spricht, Bilder sprechen lässt oder mit Bildern kommuniziert, braucht bekanntlich nicht viele Worte, wir kennen das aus der Werbung. Umso akzentuierter muss er mit visueller Kommunikation arbeiten. Er könnte sonst missverstanden werden.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Bilderdenken, oder das visuelle Denkvermögen zu trainieren, die Fähigkeiten verbessert, zu lesen, schreiben, verstehen und kreativ und analytisch zu denken.

Bilderdenker und Fotografie

Die Fotografie hilft, seine Fähigkeiten in Bildern zu denken, zu verbessern.

Thinking should be done before and after, not during photographing.”- Henri Cartier-Bresson

Der Fokus liegt dabei auf dem Fotografen und seine inneren Bilder, sich selbst und seine Fotografie besser oder überhaupt erst zu verstehen. Beim Training in Bilderdenken geht es darum, seine Fotografie von hinter der Kamera aus weiterzuentwickeln, anstatt sich nur auf Technik und perfekte Motive zu konzentrieren.

Authentizität ist die wichtigste Eigenschaft, die ein ambitionierter Fotograf lernen und besitzen kann. Authentisch zu sehen und zu fotografieren bedeutet, seine eigene, einzigartige Wahrnehmung zu verstehen und in der Lage zu sein, diese mit Hilfe der Kamera und ihrer Technik zu verbinden und umzusetzen. Sich im visuellen Denken zu üben unterstützt den Fotografen, sich des „Sehens“ stärker bewusst zu werden und zu lernen, besser zu „beobachten“. Hindernisse, die zwischen dem Fotografen und authentischen Bildern stehen, werden greifbarer.

Visualisieren

Mit einer klaren Idee im Kopf und mit Bildideen, die einem vorschweben, fällt es leichter, das Bild einzufangen, was wir uns vorher vorgestellt haben.

Fotografie ist ein selbst referenzierendes Medium. Selbstbetrachtung, Bildbetrachtungen, klares Feedback und Austausch tragen zur persönlichen und fotografischen Weiterentwicklung bei. Eine klare Sicht- und Herangehensweise entwickelt sich.

 

 

Visuelle Wahrnehmung

Wir kümmern uns viel zu wenig um das Sehen.”  – Henri Cartier Bresson

Genaue beobachten können ist entscheidend für viele berufliche Bereiche und diese Fähigkeit hängt damit zusammen, wie wir visuelle Informationen wahrnehmen und das, was wir sehen effektiv kommunizieren.

„Suche mit den Augen was Du siehst! Die Dinge begegnen einem meistens nicht einfach – DU musst sie SEHEN“,

sagt Rüdiger Schrader, Fotograf, ehemaliger Fotochef, und Coach.

Eine Methode, das Sehen zu üben ist, Kunst zu betrachten und sich darin zu üben, genau hinzuschauen und wahrzunehmen, was wir zu sehen glauben und was wir beim weiteren hinschauen wirklich sehen. Eine Expertin darin, das Sehen durch Kunst zu trainieren ist Amy Herman.

Für Fotografie Begeisterte ist das Fotografieren ein Weg, das Sehen und das visuelle Denken zu trainieren.

Visuell Denken trainieren

Rüdiger Schrader, Fotograf, Journalist, Autor, ehemaliger Fotochef und heute Business Coach für visuelle Kommunikation hat es sich zur Aufgabe gemacht, visuelles Denken zu trainieren. Im Workshop Visuell Denken bei der SommerAkademie für Fotografie Ende August in Südtirol konfrontiert er enthusiastische Fotografen mit Fragen zu ihrem „Sehen“ und ihrer Herangehensweise in der Fotografie. Teilnehmer setzen sich mit Denkprozessen in der Fotografie und mit Bildern und Bildkritik auseinander.

Zwinge dich, klarer zu sehen, was du siehst!“ – Rüdiger Schrader.

Gerade die Fotografie hilft, besser zu beobachten und sich situativem Erleben stärker bewusst zu werden. Dies verhilft nicht nur zu besseren Bildern, es sind auch wichtige (Überlebens-)Fähigkeiten für die Arbeitswelt und brisante Situationen im Alltag.

Vorstellungsvermögen und Loslassen können

Mit dem Fotografieren ist es, wie mit anderen Zielen und Vorstellungen im Leben. Haben wir eine Vision, ein Ziel oder Wunsch definiert, müssen wir es danach loslassen. Dann öffnen sich Türen und Möglichkeiten, die Ziele entfalten sich oder die Bilder begegnen einem.

Wenn wir uns zu stark auf das Ziel konzentrieren, dann nehmen wir die Gegenwart nicht vollständig wahr und wir verhalten uns in der Gegenwart nicht optimal“,

erklärt der Autor René Egli in seinem Buch Das LOLA Prinzip.


P.S. Wenn Du direkt mit Rüdiger Schrader in einem Foto Workshop zu Visuell Denken arbeiten möchtest, schau dir die SommerAkademie für Fotografie an, wo Visuell Denken Teil des Programms ist  >>>

 

photo © Ralf Meichsner
Claudia BroseVisuelles Denkvermögen verbessert das Fotografieren. Und umgekehrt.

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