Lassen wir uns von der Einstellung oder

von Bildern erfolgreicher Fotografen inspirieren?

Wovon lässt du dich inspirieren in der Fotografie? Worauf legst du Wert bei deiner Fotografie? Was sind deine Ziele und Ambitionen? Wie „erschaffst“ du deinen eigenen Stil in deiner Fotografie? „Das Streben nach Persönlichkeit im Bild zeichnet alle erfolgreichen Fotografen mit klarem, individuellem Ausdruck aus. Ohne dieses „Ego“ wäre der eigene Stil beliebig, also nicht vorhanden“, beschreibt Fotograf Eberhard Schuy seine Einstellung.

Unsere Referenten der SommerAkademie für Fotografie Ende August in Südtirol sind seit Jahrzehnten als Profifotografen überall auf der Welt unterwegs.

Wir haben ihnen einige Fragen zur Fotografie gestellt.

    1. Was interessiert/fasziniert Dich am meisten an der Fotografie?
    2. Was treibt Dich bei der Fotografie an? (Was lässt Dich Berge versetzen in der Fotografie)
    3. Wie hat Fotografie Deine Welt verändert?
    4. Was war/ist Dein bestes Bild?
    5. Was hast Du von dieser Aufnahme gelernt?
    6. Wie hat es Deine Welt verändert?

Hier stellen wir die Antworten der ersten drei Fotografen/Referenten vor – weitere folgen. Die Antworten sind voller Inspirationen und Einsichten und spiegeln Fotografie-Erfahrung, Lebens-Erfahrung, Einstellung zur Fotografie, zu sich selbst und der Welt wider.

 

RÜDIGER SCHRADER ist ehemaliger Fotochef bei Focus und Stern, Cheffotograf bei der dpa, Mitbegründer der Zeitschrift Gala, Fotograf seit Jugendzeit, und Business Coach und Trainer für Visuell Denken. Er hat das Buch „Wo wir Weltmeister wurden“ fotografiert und geschrieben. Bei der SommerAkademie für Fotografie gibt er zum einen den Workshop Visuell Denken und zum anderen einen Workshop zu Schwarz-Weiss Fotografie, die Königsdisziplin der Visuellen Denker.

  1. Was interessiert/fasziniert Dich am meisten an der Fotografie?

Das stille Beobachten, der Spaziergang mit den Augen, das Verstehen durch Sehen.

  1. Was treibt Dich bei der Fotografie an? (Was lässt Dich Berge versetzen in der Fotografie)

Die Sehnsucht nach „meinem“ Bild.

  1. Wie hat Fotografie Deine Welt verändert?

Sie hat mir die Welt geöffnet, in und von der ich lebe.

  1. Was war/ist Dein bestes Bild?

© Rüdiger Schrader | DPA

Die FAZ druckte dieses Bild auf einer halben Seite und schrieb „Sein erster Kuss in Wimbledon….mit Emotion fotografiert, Emotionen auslösend. Und dieses Licht!“ Dem kann ich nichts hinzufügen.

  1. Was hast Du von dieser Aufnahme gelernt?

Zum einen: Geduld, anders zu fotografieren als alle anderen und kühlen Kopf bewahren, wenn es heiß wird. Zum andern: dieses Bild wurde selten gedruckt, überlagert von dem „Überflieger“. Wer über Bilder entscheidet, hat noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten als der, der Bilder aufnimmt.

  1. Wie hat dieses Bild DeineWelt verändert?

Mein Kollege R.K. sagte mir damals scherzhaft: „Eigentlich musst Du jetzt aufhören.“ Was er meinte, „besser“ wird es nicht, ab jetzt ist alles „nur“ Wiederholung. Der auch dadurch in Gang gesetzte Gedankenprozess mündete in meinem Job als Fotochef des „stern“, den ich beim „FOCUS“ mit einem noch größeren Kompetenzrahmen fortsetzte.

 

EBERHARD SCHUY ist bekannter Produkt- u. Werbefotograf aus Köln und Autor des neu erschienen Buches „Timbulär – Ein persönliches Buch zu Fotografie und Kreativität“. In Eberhards Fotografie geht es nicht um den Einsatz aufwändiger Ausrüstung, sondern viel mehr um das Ausreizen des Phänomens Licht.

  1. Was interessiert/fasziniert Dich am meisten an der Fotografie?

Ganz eindeutig: Es ist die Inszenierung von Dingen, das Spiel mit der Tiefe im Bild in einer sehr reduzierten Umgebung. Wenn das Bild wirklich gelungen ist, wird es durch das bestimmt, was man nicht sieht. Mein Lieblingsausdruck dafür ist „spartanisch“, das ist auch das Gefühl, nach dem ich suche, wenn ich am Set stehe und die Darstellung von Objekten zu meiner persönlichen Sache mache.

… Vielleicht auch deswegen, weil mich manche Freunde – im guten Sinne – als spartanischen Menschen bezeichnen.  Damit kann ich gut leben !

Zumindest mit dieser Definition: Das Adjektiv spartanisch bedeutet „einfach“, „schlicht“, „auf das Nötigste beschränkt“, (2) „besondere Anforderungen an jemandes Willen stellend“, „von hartem Willen zeugend“ oder (3) „das antike Sparta betreffend“.

  1. Was treibt Dich bei der Fotografie an? (Was lässt Dich Berge versetzen in der Fotografie)

Die klare Vorstellung vom fertigen Bild. Es ist das Ziel mit dem Wissen, dass es mein ganz persönliches Ziel ist. Das Ziel, von dem ich weiß, dass es voll und ganz meiner Persönlichkeit entspringt. Das klingt nach starkem Ego, ja es ist mir bewusst, dass es das auch ist. Dieses Streben nach Persönlichkeit im Bild zeichnet alle erfolgreichen Fotografen mit klarem, individuellem Ausdruck aus. Ohne dieses Ego wäre der eigene Stil beliebig, also nicht vorhanden.

  1. Wie hat Fotografie DeineWelt verändert?

Gibt es eine Welt ohne Fotografie?

Im Alter von 19 Jahren wusste ich, dass Fotografie das Medium wird, welches mich wahrscheinlich mein Leben lang begleiten wird. Das bedeutet nicht, dass mein Beruf immer der des Fotografen sein muss. So habe ich mich mit Kommunikationstrainings und Werbetechniken auseinandergesetzt, war Werbeassistent eines großen international arbeitenden Unternehmens, Studioleiter einer Werbeagentur und wie sich im Nachhinein herausstellte, das scheinbar alles nur, um den Beruf des Fotografen mit einem besonderen Anspruch auszufüllen. Wem die Maximalforderungen klar sind, die an einen Werbefotografen gestellt werden, weil er sie selbst auch an Fotografen gestellt hat, der arbeitet wahrscheinlich sehr fokussiert.

  1. Was war/ ist Dein bestes Bild?

Die Frage nach dem besten Bild! – sie wird so oft gestellt…

Meine drei erfolgreichsten Bilder… eine Sachaufnahmen mit Feigen, das Bild einer Libelle an einem Bohrer, und das Bild einer mit metallstaub geschminkten Frau.

 

Feigen © Eberhard Schuy

 

Libelle auf Bohrer © Eberhard Schuy


Metallstaub… © Eberhard Schuy

Ebenso „Hansi“ ein Zirkusbild, das aber wurde erst im Laufe der Zeit eines meiner Lieblingsbilder, als ich merkte wie vielen Personen die Aufnahme gefällt!

Hansi © Eberhard Schuy

Ansonsten… mein nächstes Bild wird mein Bestes!!

  1. Was hast Du von dieser Aufnahme gelernt?

Die erfolgreichen Aufnahmen haben mir gezeigt, dass es gut ist, sein eigenes Ding zu machen. Und sich nicht inspirieren zu lassen von den Bildern anderer erfolgreicher Fotografen, sondern von deren Einstellung.

… eigene Personality,…nicht kopieren,…die Bildideen sollten dem eigenen Spirit entsprechen.

So entsteht die Faszination für neue Bilder, in denen ich mich auch selbst nicht kopiere!

  1. Wie hat dieses Bild Deine Welt verändert?

Hat es nicht, ich habe lange Jahre in meiner Ausbildung sehr viel beobachtet und habe zum Glück immer „Lehrer“ gehabt, die mich bestärkt haben, die Dinge mit eigenen Augen zu sehen und sie auch so wiederzugeben!

Das aber hat mich und meine Welt dann doch verändert.

Ich bin neugierig, meine Frau sagt „neusüchtig“, geworden. Ich stelle kaum etwas in Frage und lasse alle Ideen und Gedanken zu, das ist manchmal nicht nur für mich anstrengend, führt aber zu einem kreativen Dasein.

Das ist dann auch der Grund, warum ich immer mehr vor vielen Menschen über Kreativität spreche und wie ein Fotograf dazu kommt, einen durch Licht angetriebenen Motor zu erfinden. So hat sich meine Welt doch ziemlich verändert.

 

PETRA STADLER ist bekannte Fashion, Prominenz und Lifestyle Fotografin und lebt in München. Bei der SommerAkademie gibt sie den Workshop Fotografie zwischen perfekter Planung und Überraschungen. Wie geht man beim Fotoshooting mit Models mit unerwarteten Änderungen, Schwierigkeiten und ungeplanten Überraschungen um?

  1. Was interessiert/fasziniert Dich am meisten an der Fotografie?

Die Seele des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie.

  1. Was treibt Dich bei der Fotografie an? (Was lässt Dich Berge versetzen in der Fotografie?)

Hier zitiere ich Mario Cohen (Fine Art Photographer): „Ein Bild gibt uns das Gefühl, die ganze Welt in den Händen zu halten. Fotos sind Dokumente des Augenblicks, des Lebens, der Geschichte. Die Fotografie verwandelt die Welt in ein ewig fortbestehendes Angebot, aus der Wirklichkeit in das Reich der Fantasie, aus dem Schmerz in die Freude zu fliehen – durch das Fenster der Seele, das Auge.“

  1. Wie hat Fotografie DeineWelt verändert?

Zum Fotografieren und somit zum Erschaffen eines Bildes braucht man Zeit. Die Welt hat aber keine Zeit mehr….und wer keine Zeit mehr hat, kann knipsen und “influencen”!

 

 

 

Claudia BroseFragen an unsere Fotografen Teil1